Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

í 10 Sein Bruder Sigismund, König von Ungarn, sah endlich ein, daß diese Schändlichkeitn auch ihm Verder­ben bringen müßten; im Einverständnisse mit den Böh­men sezte er ihn gefangen. Wenzel aber entkam mit Hilfe einer Bademagd, die er dann als Maitreffe bei sich behielt, und die deutschen Fürsten verlangten schein­halber, daß er restaurirt werde, weil ihnen an einem Oberhaupte gelegen war, unter dem sie thun konnten was sie wollten. In die Zeit der Regierung Wenzels fällt der Kampf des Herzogs Leopold von Oesterreich mit der Eid­genossenschaft, die Schlacht bei Sempach 1386, wo Leo­polds Heer völlig aufgerieben, er selbst aber zu Ende, nachdem er noch unverzagt ausgerufen: „ich will ehrlich mit euch sterben," mit allen seinen Getreuen den Tod fand. Mit ihm fielen 656 Grafen und Ritter. Wenzel ließ im Reiche geschehen was da wollte, aber seine Unfähigkeit war so offenbar, daß sich die Kur­fürsten am Ende seiner schämten und ihn nach Ober­lahnstein vorluden, sich wegen ftines schlechten Reichs- regiments zu verantworten. Er kam nicht, und so wurde er feierlich 1400 abgesezt und statt seiner der Kurfürst und Pfalzgraf Ruprecht zum Kaiser gewählt. Einige Fürsten wählten zwar den Welfen Friedrich von Braun - schweig, der aber schon auf der Rükreise voll Frankfurt durch Leute des Erzbischofs Johann von Mainz in Fritz­lar ermordet wurde. A-chdie Böhmen wollten sich des Wenzels entledigen, sie belagerten ihn in Prag; er ver­söhnte sie dadurch, daß er den Städten große Freiheiten bewilligte. Doch Sigismund war damit nicht zufrieden, sondern ließ ihn!40> aufs neue gefangen nehmen, und übergab ihn dem Herzog Albrecht von Habsburg zur Obhut. Doch noch int nämlichen Jahre entkam er seiner Haft und nach Böhmen zurük, wo inan ihn jezt um so lieber hatte, als die Böhmen sich selbst regieren konnten, indem Wenzel auf der Prager Burg seine Tollheiten im engsten Kreise ausübte. Wenzel der Faule hatte zur

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