Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

108 zu überflügeln, trat er mit demselben in Erbvertrag und vermalte seinen Sohn Siegmund mit Marien, Tochter Jtönig Ludwigs von Ungarn; um auch das Haus Wit­telsbach immer getrennt zu erhalten, stiftete er eine Erb­verbrüderung mit der Pfalz; doch täuschte er sich in seinen Berechnungen, denn Habsburg und Wittelsbach überlebten sein eigenes Haus, und er arbeitete nur für Habsburg. Um nun auch seinem ältesten Sohne Wenzel die Kaiserkrone zu sichern, bestach er, gegen das Verbot der goldenen Bulle, die Kurfürsten je mit 100,000 Gul­den. Dann beging er noch die Schwäche, seine Länder zu theilen; sein Bruder Johann bekam Mähren, von seinen drei Söhnen Wenzel Böhmen und Schlesien, Sigismund Brandenburg und Johann die Lausiz. Am 10. Juni 1365 ließ er seinen 15jährigen Sohn Wenzel in Frankfurt zum römischen Könige wählen und am 6. Juli in Aachen krönen. Karl IV. starb am 29. Ok­tober 1378 zu Prag nach seiner Rükkunft aus Frank­reich, wohin er noch einmal gegangen war, um den Frieden zu befestigen, nach einer bewegten Regierung von 32 Jahren, und ward dort in der Metropolitankirche zu St. Veit beigesezt. In dieser Zeit, im Jahre 1354, er­fand der Franziskaner Mönch Verthold Schwarz zu Frei­burg zufällig das Schießpulver, und wurde durch die Erploston desselben, die er nicht erwartet hatte, ge- tödtet. In Lübek wurde 1360 die erste Pulvermühle gebaut, und Johann von Aarau hat 1372 die ersten Kanonen für die Stadt Augsburg gegossen. Karls IV. Wahlspruch war: Optimum aliena insania frui. 32. Wenzel der Faule, Sohn Karls IV., geboren am 26. Februar 1361. Nie ist ein schändlicherer Mensch auf einem Throne gesessen, wie dieser Fürst. Man gab ihm den Beinamen der Faule, weil ihm ernste Geschäfte ein Greuel waren, doch war er nicht ohne Wiz, aber sehr jähzornig. Er beleidigte die Niedern durch die Ausbrüche seiner Wuth, die Höhern durch Spott. Einst

Next

/
Thumbnails
Contents